41 Antworten auf 41 häufig gestellte Fragen zur Rudolf Steiner-Schule Zürich
Vorwort
Dieser Fragekatalog richten sich an Eltern, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Kind der Rudolf Steiner-Schule Zürich anzuvertrauen und sich somit auf einen gemeinsamen Weg mit uns einlassen. Er soll auf häufig gestellte Fragen einfache Antworten zu geben, Vorurteilen entgegenzutreten, Kontaktstellen aufzuzeigen, Möglichkeiten zur Problemlösung anzusprechen. Er soll aber auch anregen, eigene Fragen zu formulieren.
Die einzelne Lehrerperson unterrichtet in grosser pädagogischer Freiheit, um optimal auf die Bedürfnisse ihrer Klasse eingehen zu können. Abweichungen von den hier präsentierten Antworten sind demnach im Schulalltag möglich.
- Eine Schule nur für Musiker und Künstler/innen?
- Wer war Rudolf Steiner?
- Was ist Anthroposophie?
- Muss ich Anthroposoph/in sein, um mein Kind an die Rudolf Steiner Schule schicken zu dürfen?
- Anthroposophie und Religion
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Werden Steinerschüler weltfremd?
Die Pädagogik und ihre Ausprägung
- Muss mein Kind schon in die Spielgruppe oder den Kindergarten der Rudlof Steiner Schule besucht haben?
- Ist ein Übertritt an die Staatsschule jederzeit möglich?
- Wie wird mit Begabung und mit grossen Unterschieden innerhalb der Klasse umgegangen?
- Warum haben die Kinder 6 Jahre lang dieselbe Lehrkraft?
- Wie wird mein Kind auf die Berufswelt vorbereitet?
- Welche Abschlüsse sind an der Steiner Schule möglich?
- Matura nach der Steiner-Schule?
- Wieso gibt es keine Schulbücher?
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Wie und wo kann man sich mit der Pädagogik Rudolf Steiners vertraut machen?
Organisation an der Schule
- Wie ist die Schule organisiert?
- Wer wählt und beaufsichtigt die Lehrpersonen?
-
Weiterbildung der Lehrkräfte an der Steiner Schule?
Aufgaben und Mitwirkung der Eltern
- Wer bezahlt die Schule?
- Was kostet die Schule?
- Welche Rechte und Pflichten bestehen für die Eltern?
- Was wird von den Eltern als zusätzliches Engagement erwartet?
- Was tun, wenn mein Kind überfordert wird?
-
Konflikte mit den Lehrpersonen - wie weiter?
Kindgerechtes Lernen
- Was ist das bewegte Klassenzimmer?
- Was ist eine Epoche?
- Eurythmie, Heileurythmie und Turnen
- Was ist Formenzeichnen?
- Noten ab wann?
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Warum Fremdsprachen von der 1. Klasse an?
Alltägliches an der Schule
- Finden regelmässige Gespräch mit dem Klassenlehrer, der Klassenlehrerin statt?
- Wieviele Elternabende pro Jahr?
- Wieviele Hausaufgaben gibt es?
- 5-Tage Woche auch an der Steiner Schule?
- Jahresfeste, Theater etc. - was, wann, wie, wo?
- Was ist der Weihnachtsbazar?
- Hort, Mittagstisch, Schulweg?
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Warum kein "Zahnfräulein" oder keinen Schwimmunterricht?
Wie setze ich pädagogische Ansprüche in der Praxis um?
- Darf mein Kind Lego spielen?
- Wie wirken Medien auf die Kinder?
- Computer an der Schule?
Die Pädagogik von Rudolf Steiner - ein anderer Weg?
1) Eine Schule nur für Musiker und Künstler/innen?
Die Rudolf Steiner-Schule Zürich ist eine freie Volksschule, geführt nach den pädagogischen Grundsätzen Rudolf Steiners. Sie steht allen Kindern offen und umfasst eine Spielgruppe, drei Kindergärten und 13 Schuljahre in zum Teil doppelzügig geführten Klassen.
Ihr Engagement sieht die Schule im Bereich der Persönlichkeitsbildung. Lehrplan und Unterrichtsmethoden sind altersentsprechend aufgebaut und folgen konsequent den im Menschen veranlagten Entwicklungsstufen. Künstlerischen Tätigkeiten wird eine besonders hohe Bedeutung beigemessen, da sie das Gemüt, die Phantasie und die Willensbildung wesentlich entfalten und stärken. Es ist ein Hauptanliegen der Pädagogik Rudolf Steiners, Eigenschaften wie individuelle Freiheit, soziales Empfinden und verantwortungsbewusstes Handeln ebenso zu schulen wie das Denken, das genaue Betrachten und das Aneignen von Wissen und Können.
2) Wer war Rudolf Steiner?
Rudolf Steiner wurde 1861 in Österreich geboren. Er studierte Natur- und Geisteswissenschaften in Wien und gab später Goethes Naturwissenschaftliche Schriften zum ersten Mal heraus. Nachdem er 1897 nach Berlin umgezogen war, engagierte er sich in der Arbeiterbildungsschule und begann, Vorträge im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft zu halten. Nachdem er sich von dieser getrennt und 1913 die unabhängige anthroposophische Gesellschaft gegründet hatte, gab er Impulse auf vielen Gebieten des kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Lebens. Sein Bestreben war es, der Naturwissenschaft Wege zur übersinnlichen Erkenntnis zu öffnen. Zentral für seine Arbeit war dabei ein erweitertes Verständnis des Menschen nach Leib, Seele, Geist und seiner Beziehungen zum Kosmos.
3) Was ist Anthroposophie?
Anthroposophie ist keine Religion, sondern eine geisteswissenschaftliche Methodik, die den Übenden zu einer Erweiterung der heute bekannten und anerkannten Bewusstseinskräfte und Erkenntnisse führen soll.
4) Muss ich Anthroposoph/in sein, um mein Kind an die Rudolf Steiner Schule schicken zu dürfen?
Unsere Schule ist keine Anthroposophenschule. Was Lehrer und Eltern miteinander verbindet, ist das allgemein menschliche Interesse an der Entwicklung der Kinder und denjenigen pädagogischen Massnahmen, welche die Entwicklung der Kinder in gesunder Weise fördern.
5) Anthroposophie und Religion
Die Rudolf Steiner-Schule kann von Kindern aller Konfessionen besucht werden. Die Eltern haben für den Besuch desjenigen Religionsunterrichtes besorgt zu sein, den sie ihren Kindern zukommen lassen wollen.
6) Werden Steinerschüler weltfremd?
Die Rudolf Steiner-Schule ist davon überzeugt, dass neben dem reinen Wissen und Können vor allem Eigenschaften wie Charakterstärke, Kreativität und soziale Kompetenzen die eigentlichen Garanten sind für die Durchsetzungsfähigkeit in der sich schnell wandelnden Gesellschaft. Deshalb ist der Unterricht nicht auf stereotypes Denken und Tun ausgerichtet, sondern fördert die eigene Wahrnehmungsfähigkeit und das selbstständige Handeln und Denken.
Differenziertere Antworten auf diese Frage geben zudem Erfahrungen und Biographien ehemaliger Steinerschüler/innen.
Literatur: Kurzbericht "Befragung ehemaliger Schülerinnen und Schüler von Rudolf Steiner-Schulen in der Schweiz". Erschienen im Januar 2000.
Die Pädagogik und ihre Ausprägung
7) Muss mein Kind schon in die Spielgruppe oder den Kindergarten der Rudlof Steiner Schule besucht haben?
Ihr Kind wird auch in die Rudolf Steiner Schule aufgenommen, wenn es nicht die Spielgruppe oder den Kindergarten der Rudolf Steiner-Schule besucht hat.
8) Ist ein Übertritt an die Staatsschule jederzeit möglich?
Ein Übertritt ist im Prinzip jederzeit möglich. Es ist unser Ziel jeweils alle drei Jahre das Lehrziel der öffentlichen Schulen zu erreichen. Tatsächlich gibt es erfolgreiche Ein- und Austritte auf allen Stufen. Zugleich hat sich in der Praxis gezeigt, dass Aus- und Übertritte auf Grund der unterschiedlichen Lehrmethoden zu Problemen führen können. Vor- und Nachteile eines Übertrittes sollten daher im Einzelfall im Gespräch mit den Lehrkräften an der Rudolf Steiner-Schule und der für den Übertritt vorgesehenen Schule sorgfältig abgewogen werden.
9) Wie wird mit Begabung und mit grossen Unterschieden innerhalb der Klasse umgegangen?
Die Rudolf Steiner-Pädagogik fördert die ausbalancierte Entwicklung der Anlagen und die Stärkung der Eigenkräfte des Kindes. Soziale, künstlerische und intellektuelle Fähigkeiten erfahren im Hinblick auf die Notwendigkeit ihrer Wechselwirkung keine hierarchische Behandlung. Deshalb werden parzielle Begabungen nicht gesondert geförderte. Eher wird versucht, die schwächer entwickelten Seiten eines Kindes zu stärken. Da jedes Kind über gewisse Begabungen verfügt, ergänzen sich diese im Idealfall innerhalb der Klassengemeinschaft und wirken auf natürliche Weise anregend auf die anderen Kinder. Wenn temporäre Über- oder Unterforderung in einzelnen Fällen problematische Auswirkungen hat, ist die frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrperson nötig.
10) Warum haben die Kinder 6-Jahre lang dieselbe Lehrkraft?
Die Klassenlehrer/innen führen ihre Klasse in der Regel sechs bis acht Jahre lang und unterrichten in dieser Zeit alle Fächer bis auf Fremdsprachen, Eurythmie, Sport und Handwerksunterricht. Sie stehen in der Entwicklungsphase der Kinder zwischen Zahnwechsel und Pubertät als Garant für gelebte Kontinuität in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Rudolf Steiner-Pädagogik setzt hiermit an Stelle von Lernprogrammen auf die erzieherisch wirksame Lehrerpersönlichkeit, der infolge ihres Engagements eine natürliche Autorität zukommt. Mit dem Übertritt in die Oberstufe 7. bis 9. Schuljahr gehen markante Änderungen in den Unterrichtsformen einher. Das Fachlehrkraft-System sowie höhere Erwartungen an die Selbstständigkeit der Schüler/innen sind dabei die offensichtlichsten Änderungen.
11) Wie wird mein Kind auf die Berufswelt vorbereitet
Allgemein ist die persönliche Berufsfindung Angelegenheit der Schüler/innen. Die Schule unterstützt diesen wichtigen biografischen Prozess unter anderem durch Informationen über weiterführende Bildungswege, Gelegenheit zu Schnupperlehren etc. In den höheren Klassen finden Praktika statt, die den Schüler/innen konkrete Erfahrungen in der Arbeitswelt geben, z. B. Handwerk (8. Klasse) und Landwirtschaft (9. Klasse), Betriebspraktikum (10. Klasse), Sozialpraktikum (12. Klasse). Ausserdem bietet die Atelierschule mit ihren Ateliers für alle Schüler/innen Schwerpunktfächer an, die vertieftes Lernen und Arbeiten für besondere Bildungsrichtungen ermöglichen.
12) Welche Abschlüsse sind an der Steiner Schule möglich?
Grundsätzlich bereitet die Schule als Gesamtschule auf alle weiterführenden Bildungswege vor. Nach Erfüllung der obligatorischen Schulzeit mit Beendigung der 9. Klasse kann eine Berufslehre angestrebt oder mit Besuch der Atelierschule ab der 10. Klasse eine Mittelschulbildung erworben werden. In Übereinstimmung mit dem Konzept der Steiner Schulen international steht der Besuch der höheren Klassen bis zum 12. Schuljahr allen interessierten Schüler/innen integrativ offen. Zur Erlangung der Maturität ist der Besuch einer anschliessenden 13. Klasse erforderlich. Die Schulabschlüsse der Integrativen Mittelschule (IMS) auf einen Blick:
Zertifikat IMS:
Abschluss 12. Klasse gemäss Anforderungen der Schule.
Zertifikat IMS B:
Abschluss 12. Klasse gemäss Schulabschlussreglement IMS B mit
entsprechender Prüfung. Der Schulabschluss IMS B eröffnet die Möglichkeit, bei der Lehrabschlussprüfung in den allgemeinbildenden Fächern befreit zu werden.
Zertifkat IMS F:
Abschluss 12. Klasse gemäss Schulabschlussreglement IMS F mit entsprechender Prüfung. Der Schulabschluss IMS F eröffnet die Möglichkeit zum Besuch von Höheren Fachschulen und Studienrichtungen von Fachhochschulen, wobei sich die berufspraktische oder berufstheoretische Vorbildung nach den jeweiligen Anforderungen des Studiengangs richtet (z. B. Vorkurs für Hochschule für Gestaltung).
Maturität:
Abschluss nach der 13. Klasse und Besuch des Bildungsgangs Maturität mit entsprechendem Promotions- und Prüfungsreglement. Der Bildungsgang zur Maturität ist an der Atelierschule Zürich, unserer Mittwlschule, möglich.
Alle Schulabschlüsse beinhalten den Besuch von Schwerpunktfächern nach Wahl sowie die Erarbeitung einer selbstständigen Abschlussarbeit.
Neben diesen Schulabschlüssen steht es Schüler/innen auch offen, eine Berufslehre mit dem Abschluss einer Berufsmaturität zu besuchen.
13) Matura nach der Steiner-Schule?
Nach dem neuen Schulkonzept der Atelierschule kann die Maturität nach der 13. Klasse an der Schule erlangt werden . Geeignete Schüler/innen können in den Bildungsgang Maturität (10. – 13. Klasse) aufgenommen werden und diesen gemäss Promotions- und Prüfungsreglement besuchen. Bis zur 12. Klasse werden die Bildungsgänge Maturität und IMS integrativ geführt, wobei ab der 11. Klasse einzelne Zusatzstunden für den Bildungsgang Maturität bestehen; die 13. Klasse ist allein den Maturanden/innen vorbehalten.
14) Wieso gibt es keine Schulbücher?
Lehrbücher geben durch ihren Aufbau eine Struktur vor und können dadurch eine Orientierungshilfe bieten. Die Inhalte werden von den Verfassern nach vorgegebenen Kriterien ausgewählt.
Sowohl Inhalte als auch die Unterrichtsmethoden an einer Steiner Schule richten sich nach den von Rudolf Steiner entwickelten Erkenntnissen der Menschenkunde. Bei der Erarbeitung des Unterrichtsstoffes verfasst der Lehrer eigene Texte und Aufgaben für seine Klasse. Dadurch entsteht eine wirkliche Beziehung zwischen Unterrichtsstoff – Lehrer – Schülern. In den höheren Klassen arbeiten die Schüler durchaus mit Lehrbüchern, Nachschlagewerken und vor allem der Lektüre von Original-Texten.
15) Wie und wo kann man sich mit der Pädagogik Rudolf Steiners vertraut machen?
Zur Rudolf Steiner-Pädagogik gibt es eine grosse Literaturauswahl (siehe Literaturhinweise). Die Einführungsabende und Klassenelternabende können ebenfalls Anregungen geben. Daneben stehen auch die Klassen- und Fachlehrkräfte gerne für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Eine weitere Möglichkeit ist der Besuch eines einjährigen pädagogischen Einführungskurses oder anderer Kurse (Hinweise jeweils in den "Mitteilungen").
Organisation an der Schule
16) Wie ist die Schule organisiert?
Die Freie Schulvereinigung
Die Freie Schulvereinigung ist der Trägerverein der Schule. Sie wird durch einen Vorstand geführt, besorgt die treuhänderische Verwaltung der Finanzen und Liegenschaften und kümmert sich um die allgemeine Existenzerhaltung der Schule.
Das Kollegium
Die Führung des pädagogischen Schulbetriebes obliegt dem Lehrerkollegium. Die Lehrkräfte sind in der Regel selbstständig erwerbend, bilden eine einfache Gesellschaft und sind in der wöchentlichen Versammlung, der Konferenz, organisiert. In der Konferenz werden alle Fragen, die sich im Leben der Schule ergeben, aufgegriffen.
Die Schule ist auf regionaler, schweizerischer und internationaler Ebene in Verbänden vertreten und arbeitet mit vielen Schulen und anderen Gremien zusammen, die für Erziehungsfragen wichtig sind.
17) Wer wählt und beaufsichtigt die Lehrpersonen?
Die Auswahl und Berufung der Lehrerpersonen obliegt dem Lehrerkollegium. Es ist dabei grundsätzlich frei und nur an bestehende kantonale Vorschriften gebunden (Matura und anerkannte pädagogische Ausbildung, z.B. am anthroposophischen Lehrerseminar Dornach oder Stuttgart - Ausnahmen können gemacht werden). Wesentliche Voraussetzung ist die Kompetenz, d.h. das Vorhandensein der für die entsprechende Aufgabe als Klassen- oder Fachlehrer/in notwendigen Fähigkeiten. Der Besuch eines anthroposophisch-pädagogischen Seminars ist erwünscht, bildet aber keine zwingende Voraussetzung.
Es besteht eine Hospitationsgruppe (ein Arbeitskreis des Kollegiums), welche jede Lehrkraft mindestens einmal jährlich besucht.
Daneben gibt es öffentliche Aufsichtsgremien des Kantons und von der Stadt, welche den Unterricht in den Klassen regelmässig besuchen.
18) Weiterbildung der Lehrkräfte an der Steiner Schule?
Jährlich findet eine zweitägige gesamtschweizerische Lehrerfortbildung statt. Im weiteren werden von den Lehrern individuell Fachtagungen in der Schweiz und in Deutschland besucht.
Aufgaben und Mitwirkung der Eltern
19) Wer bezahlt die Schule?
Die Rudolf Steiner-Schule Zürich wird durch die Beiträge der Eltern, der Mitglieder des Schulvereins und von der Schule nahestehenden Menschen getragen. Sie erhält keine staatlichen Beiträge.
20) Was kostet die Schule?
Mit den Beitragsversprechen legen die Eltern den jährlichen Geldbetrag fest, welchen sie der Schule zur Verfügung stellen. Zur Verwaltung der Elternbeiträge besteht eine aus der Elternschaft gebildete Elternbeitragskommission EBK. Zur Festlegung ihres verbindlichen, individuellen Beitrages haben die Eltern beim Eintritt in die Schule ein vertrauliches Gespräch mit Mitgliedern der EBK. Ein Sockelbeitrag von Fr. 600.- pro Monat bildet eine obligatorische Basis. Die Höhe des Jahresbeitrages richtet sich nach dem steuerbaren Bruttoeinkommen der Eltern
21) Welche Rechte und Pflichten bestehen für die Eltern?
Die Eltern verpflichten sich mit dem Schuleintritt, die Schule nach Kräften finanziell und durch aktives Engagement zu unterstützen. Sie geben dadurch letztlich den Lehrern und der Schule die Möglichkeit, die anvertrauten Kinder nach den Grundsätzen von Rudolf Steiner zu unterrichten.
Die Eltern haben die Möglichkeit, innerhalb der Schulgemeinschaft an Arbeitsgruppen teilzunehmen, die in gemischter Form aus Lehrkräften, Eltern und Mitgliedern der Schulvereinigung bestehen, z.B. für die Öffentlichkeitsarbeit, Elternrat, Betreuung der Schulgebäude, Vermittlungsorgan usw.
Ein institutionalisiertes Mitspracherecht der Eltern besteht nicht. Die Eltern können mit Kritik und Anliegen an Ihren / Ihre Klassenlehrer/in gelangen, ihre Anliegen an einem Elternabend zur Sprache bringen oder an die Schulleitung gelangen.
Für die Bewältigung von Konflikten besteht in dem Vermittlungsorgan ein besonderes Gremium. Dieses kann bei Bedarf von Eltern und Lehrkräften angerufen werden.
22) Was wird von den Eltern als zusätzliches Engagement erwartet?
Die Eltern übernehmen neben dem aktiven Mitwirken an den Anlässen und Festen im Klassenverband zusätzliche Aufgaben, die zum Funktionieren des Schulalltags und zur Entlastung des Finanzhaushaltes der Schule unerlässlich sind. Es sind dies z.B.:
Putzen des Kindergartens, des Pausenplatzes, der Klassenzimmer.
Betreuung der Buffets bei den 8. Klass-Spielen, Ausstellungen, Theatervorführungen und an den Quartalsfestli.
jährliches Vorhängewaschen oder Fensterreinigung in den allgemeinen Räumen.
Daneben kann die Schule durch Mitwirken am Bazar (Gruppenarbeit, Kuchenbacken) oder durch die Mitarbeit in verschiedensten laufenden Projekten, Arbeitsgruppen oder in Klassenlagern unterstützt werden. Erkundigen Sie sich beim Sekretariat.
23) Was tun, wenn mein Kind überfordert wird?
Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit ihrer Klassenlehrerin, dem Klassenlehrer oder dem Schularzt. Sie werden mit Ihnen Möglichkeiten der Unterstützung durch die Eltern zu Hause und durch Angebote an der Schule prüfen.
Neben dem Stützunterricht - einer Art von Aufgabenhilfe - kann ein Kind beim Vorliegen von besonderen Umständen den innerhalb der Schule angebotenen Förderunterricht besuchen. Bei diesem werden diejenigen Bereiche gezielt gefördert, in denen das Kind Schwächen aufweist.
24) Konflikte mit den Lehrpersonen - wie weiter?
Treten Probleme mit einer Lehrkraft auf und bringt ein gemeinsames Gespräch keine Lösung, so kann der Kontakt zu einer Lehrerin oder einem Lehrer Ihrer Wahl, zur Schulleitung oder zum Vermittlungsorgan gesucht werden. Adressen und Ansprechpartner sind auf der Adressliste in den "Mitteilungen" oder auf dem Sekretariat erhältlich.
Kindgerechtes Lernen
25) Was ist das bewegte Klassenzimmer?
Das bewegte Klassenzimmer verzichtet in den ersten zwei Schuljahren gänzlich auf die Schülerpulte, so dass der gesamte Raum des Klassenzimmers zum bewegenden Tun gebraucht werden kann. Als Mobiliar dienen Bänke, die im ersten Unterrichtsteil kreisförmig angeordnet werden. Die Bänke sind dabei nicht bloss eine Sitzgelegenheit für die Kinder, sie können auch erklettert, übersprungen oder umkrochen werden, - je nachdem, in welcher Funktion sie dem fantasiereichen morgendlichen Bewegungsspiel dienen. Ohne grossen Aufwand ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für die heute oft dringend notwendige Nachreifung der Sinne sowie die Pflege von grob- und feinmotorischen Fähigkeiten, die als leibliche Grundlagen erwiesenermassen die Sprach- und Rechenfertigkeit fördern. Für den Lern- und Übteil können die Bänklein arenamässig vor der Wandtafel angeordnet werden und erlauben es, die Klasse frontal vor sich zu haben. Wird schriftlich gearbeitet, so nehmen die Kinder auf einem Sitzkissen hinter der Bank Platz und benützen die Sitzfläche als "Tisch". Für Gruppenarbeiten werden zwei oder mehr Bänke zusammengeschoben. Vor der Pause kann mit allen Bänken ein grosser Znünitisch gebildet werden.
26) Was ist eine Epoche?
Damit sich das Kind in ein Fach richtig einleben kann, benötigt es genügend Zeit. Diese bietet ihm der Epochenunterricht, in dem ein Stoffgebiet durch längere Zeit jeden Morgen während zwei Stunden behandelt wird. Die Unterrichtsepochen der ersten Klassen befassen sich mit Formenzeichnen, sinnigen Erzählungen aus Natur und Jahreszeiten sowie Umwelt und Heimat des Kindes. Schreiben, Lesen und Rechnen wechseln so ab, wie man es den Kindern abspürt. Die drei bis vier Wochen dauernden Hauptunterrichtsepochen spezialisieren und differenzieren sich später mehr.
Am Ende einer Unterrichtsepoche werden die behandelten Inhalte "vergessen", sinken ins Unterbewusstsein, wo sie weiterwirken. Mit jeder neuen Epoche keimen mit dem Erinnern auch neue Fähigkeiten auf, entsteht eine neue Chance, "einzusteigen", sich einem Thema, einem Fachgebiet zu öffnen und die bestehenden Zusammenhänge zu erfassen.
27) Eurythmie, Heileurythmie und Turnen
Eurythmie ist eine Bewegungskunst, die von Rudolf Steiner begründet worden ist. Im Gegensatz zur Gymnastik, die mit den physikalischen Kräften der Schwere und Leichte arbeitet, versucht die Eurythmie durch die Körperbewegung die Gesetzmässigkeit von Sprache und Musik im seelischen Erleben zu gestalten.
Eurythmie kann durch eine individuellere, der Eigenart und den Bedürfnissen gewisser Kinder Rechnung tragende Ausgestaltung zur Heileurythmie werden. Sie kann so einen Beitrag zur Behebung von seelischen und körperlichen Schwierigkeiten leisten. Neben dem Eurythmieunterricht pflegt der Klassenlehrer mit den 1. und 2.-Klässlern rhythmische Bewegungsübungen, Reigenformen und Spiele. Dazu gehen die Klassen regelmässig nach draussen in die Natur.Erst in der 3. Klasse wird daraus das Turnen, welches neben der Eurythmie ein eigenes Fach bildet.
28) Was ist Formenzeichnen?
Beim Formenzeichnen ist die Linie keine Kontur, d.h. die mehr oder weniger intellektuell ausgedachte Begrenzung einer Erscheinung. Sie ist Ausdruck für ein inneres Kräftespiel. Sie weckt Leben. In Wirklichkeit gibt es keine Konturen - nur Farben, die aneinander stossen. Die geometrischen Gesetzmässigkeiten in der Welt und in der Kunst zu entdecken, kann zu einem Glückserlebnis von höchstem Ausmass werden. Wenn die Schüler der Oberstufe diese Augenblicke mit aller Intensität erleben sollen - nicht nur in der Mathematik, sondern vielleicht auch in Geologie, Physik und Botanik -, dann müssen sie eine gründliche Vorbereitung durchgemacht haben. Rudolf Steiner empfiehlt, damit schon in der ersten Schulstunde anzufangen: mit der Geraden und der Krummen. Jedes Kind darf nacheinander eine Gerade an die Tafel zeichnen. Der Lehrer hat es vorgemacht. Die Kinder machen es ihm nach. Von ihrer Art zu gehen, zu schauen, zu zeichnen, kann er viel über sie erfahren.
29) Noten ab wann?
Um keine künstliche Drucksituation zu erzeugen, wird auf eine Notengebung im üblichen Sinn verzichtet. Die Lehrpersonen sind jedoch in der Lage, den Eltern im persönlichen Gespräch ein Bild ihres Kindes in der Klassensituation zu vermitteln. Beim jährlichen Eltern-Lehrer-Gespräch sind deshalb Fragen der Unter- und Überforderung zu besprechen.
Als Zeugnis bekommen die Kinder in der 1.-3. Klasse einen Zeugnisspruch, welcher versucht, in künstlerischer Weise dem Wesen des Kindes zu entsprechen. Von der 4. Klasse an erfolgt ein schriftlicher Bericht über den Stand des Kindes durch verschiedene Lehrerinnen und Lehrer. In der Oberstufe werden die Schüler in die Beurteilungsgespräche einbezogen. Bei Aus- und Übertritten wird mit Rücksicht auf die üblichen Verhältnisse ein Notenzeugnis ausgestellt.
In der Atelierschule (ab der 10. Klasse) gibt es jährlich ein Notenzeugnis mit einem Zeugnisbericht. Zusätzlich finden Zwischenzeugnisgespräche statt.
30) Warum Fremdsprachen von der 1. Klasse an?
Von der ersten Klassen an werden zwei Fremdsprachen so unterrichtet, dass die Kinder diese als reines Lauterlebnis, in Tonfall, Musikalität und innerer Gesetzmässigkeit des Rhythmus erleben; im Nachsprechen von Versen, Reimen, auch von Prosa, im Eintauchen in Märchenspiele. Die Kinder können die Eigenheiten der einzelnen Sprachen noch leicht erfassen, in ein Sprachwesen hineinschlüpfen, weil sie noch nicht alle Kräfte des Nachahmens verloren haben. In späteren Stufen wird die Sprache mehr mit dem Verstand erfasst. Der/Die Klassenlehrer/in erteilt nach Möglichkeiten die Fremdsprachen selber. Die Wahl der Sprachen (Französisch, Italienisch, Englisch) ist von Klasse zu Klasse verschieden.
31) Finden regelmässige Gespräch mit dem Klassenlehrer, der Klassenlehrerin statt?
Ein obligatorisches Gespräch zwischen Klassenlehrer/in und Eltern dient der Standortbestimmung des Schulkindes bezüglich seines Wissensstandes und seiner Stellung im Klassenverband. Es findet mindestens einmal jährlich auf Einladung des Klassenlehrers statt. Bei Bedarf kann ein solches Gespräch auch häufiger und auf Anregung der Eltern stattfinden.
32) Wieviele Elternabende pro Jahr?
Jede Klasse führt in der Regel einen Klassenelternabend pro Quartal durch. Zusätzlich finden ein bis zwei sogenannte allgemeine Elternabende statt. Zusätzliche Elternabende können bei besonderen Problemen und im Vorfeld von Projekten vorgesehen werden. Der Besuch aller Elternabende durch mindestens einen Elternteil wird als notwendig betrachtet.
33) Wieviele Hausaufgaben gibt es?
Das Festlegen von Art und Umfang der Hausaufgaben liegt im freien Ermessen der Klassenlehrerin oder des Klassenlehrers. Erscheint die Belastung für das Kind permanent zu hoch oder zu tief, kann mit der Klassenlehrkraft im persönlichen Gespräch meist ein individueller Umgang mit den Aufgaben vereinbart werden.
34) 5-Tagewoche auch an der Steiner Schule?
An der Rudolf Steiner Schule Zürich gilt die 5-Tagewoche mit vier über das Jahr verteilten nicht-schulfreien Samstagen: zwei Samstage für Quartalsfestli mit Schülerdarbietungen, der Samstag während des Weihnachtsbazars und der Samstag des jährlichen Chorkonzertes der Atelierschule.
In der ersten Klasse hat das Kind an allen Wochentagen am Nachmittag frei. In der zweiten Klasse wird an einem Nachmittag unterrichtet. In der dritten Klasse folgt ein zweiter Nachmittag, ab der vierten Klasse ist dann an drei Nachmittagen Unterricht. Ein freier Nachmittag bleibt bis in die obersten Klassen. Die fixe Regelung eines freien Mittwochnachmittages gibt es nicht.
35) Jahresfeste, Theater
Die Jahresfeste - z.B. Johannifeuer im Mittsommer, Michaelifest im Herbst, Adventsgärtli/Weihnachtsspiele in der Weihnachtszeit - orientieren sich am Verlauf der Jahreszeiten. Sie sind im Kindergarten und in den ersten Klassen von zentraler Bedeutung. In den höheren Klassen nimmt ihre Bedeutung ab und sie fallen je länger je mehr als Programmpunkte weg.
Theaterspiele sind fester Bestandteil des Unterrichts. Kleine Weihnachtsspiele werden in den unteren Klassen eingeübt. In der 4. Klasse wird ein grösseres Weihnachtsspiel und ein Sommerspiel vor der gesamten Unterstufe und auch vor den Eltern vorgeführt. Grössere Theater werden während der 8. und der 12. Klasse einstudiert und aufgeführt, kleinere an den Quartalsfestli dargeboten.
36) Was ist der Weihnachtsbazar?
Der Weihnachtsbazar findet jedes Jahr am Wochenende des ersten Advents statt. Am Bazar werden v.a. selbst produzierte Gegenstände, welche während des ganzen Jahres in verschiedensten Arbeitsgruppen entstanden sind, zu Gunsten der Schule verkauft. Restaurant und Kaffestübli sowie unzählige Verpflegungsstände im Freien sind für das leibliche Wohl der Besucher besorgt. Der Bazarerlös deckt jeweils einen erheblichen Teil des finanziellen Gesamtbedarfs der Schule ab. Seine Qualität und seine besondere Atmosphäre sind weit herum berühmt.
37) Hort, Mittagstisch, Schulweg?
Die Schule verfügt über einen Kinderhort vom Kindergarten bis zum 5. Schuljahr, der in Form eines Elternvereins organisiert ist.
In der Mensa besteht täglich ein Mittagstischangebot mit warmen Mahlzeiten. Beide Dienstleistungen werden in Rechnung gestellt. Erkundigen Sie sich über das aktuelle Hort- und Mittagstischangebot im Sekretariat.
Für den Schulweg bestehen zwischen vielen Familien Fahrgemeinschaften. Besonders in den ersten Klassen wird empfohlen, die Kinder zu begleiten, um ihnen ein gefahrloses Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und das Passieren von Strassen beizubringen. Die Unfallversicherung des Kindes auf dem Schulweg und in der Schule ist Sache der Eltern.
38) Warum kein "Zahnfräulein",und keinenSchwimmunterricht?
Aus organisatorischen und finanziellen Gründen, und da die Steiner-Schule als Privatschule keinen Zugang zum öffentlichen Angebot hat, gibt es heute in diesen Bereichen kein offizielles Angebot. In vielen Klassen kommt das Angebot aber auf privater Basis durch Initiative der Elternschaft und vielfach auch in Zusammenarbeit mit der Klassenlehrkraft zustande.
Wie setze ich pädagogische Ansprüche in der Praxis um?
39) Darf mein Kind Lego spielen?
Für die Entwicklung der Kinder sind Spielsachen, die der Phantasie möglichst viel Raum lassen, von ausschlaggebender Bedeutung. Standardisiertes und stereotypisiertes Spielzeug wird diesem Anliegen erheblich weniger gerecht, als wenig vorgefertigte Materialien wie Holzklötze etc. Die Schule versucht, Anregungen zur Wahl geeigneter Spielmaterialien zu vermitteln. Sie erlässt keine Vorschriften zur Wahl der Spielsachen zuhause.
40) Wie wirken Medien auf die Kinder?
Medien (Fernsehen, Videos, Comics etc.) lösen das Kind aus seinem natürlichen Zusammenhang mit der Welt heraus und entführen es in eine Scheinwelt, wo ihm Inhalte und moralische Werte oft verzerrt und in abstrakter Form entgegentreten. Die Gemütsentwicklung, innere Welten und die Phantasie werden belastet. Im Alter von 13 bis 15 Jahren ist die Willens- und Gefühlsentwicklung soweit fortgeschritten, dass es mit Hilfe des distanzierteren Denkvermögens diese Eindrücke besser objektivieren kann.
41) Computer an der Schule?
Die Rudolf Steiner-Schule verzichtet in der Unterstufe bewusst auf den Einsatz von Computern. Der Erlebniswelt des Kindes entspricht das Lernen und Tätigsein mit allen Sinnen, eingebettet in eine sozial und emotional unterstützende Umgebung. Da die Computertechnologie in dieser Beziehung wenig zu bieten hat, wird sie erst in der Oberstufe und Atelierschule thematisiert.
