Rudolf Steiner Schule Zuerich

Streiflichter aus der Schulchronik


Geschichte der Gründung der Rudolf Steiner Schule»

1920

Die Idee wird geboren:

Walter Wyssling begegnet durch seinen Chef, Ingenieur Ernest Etienne, erstmals der Anthroposophie. Rudolf Steiner versucht in dieser Zeit den Impuls der "sozialen Dreigliederung" im Kulturleben anzuregen. Aus diesen Bemühungen heraus war bereits im Septemper 1919 in Stuttgart die 1. Schulgründung, die sich auf den Boden der anthroposophischen Pädagogik stellt, vollzogen worden.
Hier sind die Wurzeln zu sehen, aus denen Walter Wyssling die Idee einer Rudolf Steiner Schule für schweizerische Verhältnisse schöpft.

Geschichte der Gründung der Rudolf Steiner Schule»

1925

Walter Wyssling erhält im Frühjahr den Hinweis, sich bei der Lehrersuche an den Schweizer Curt Englert zu wenden, der zur Zeit in Norwegen lebt. Der Brief mit einer Anfrage an diesen für Walter Wyssling gänzlich unbekannten "Lehrer und Anthroposophen" wird in den Norden gesandt. Für Curt Englert kommt der Brief aus der Schweiz völlig unerwartet. Er kann es zunächst mit seiner Lebenssituation nicht zusammenbringen, doch lässt ihm der Brief keine Ruhe. Ein Besuch wird ins Auge gefasst.

 

Die erste Begegnung der Ehepaare Wyssling und Englert findet im Sommer statt. Man geht mit dem Willen auseinander, sich innigst mit Pestalozzi zu beschäftigen, um den "geistigen Faden" dort wieder aufzunehmen, wo er abgerissen worden sei.

1926

 

Innerer und äusserer Boden wird bereitet:

Im Januar werden für die Vorbereitungsarbeit zu einer Schulgründung zusätzlich der Jurist Dr. Paul Jenny und der Arzt Dr. Hans-Werner Zbinden gefunden. Walter Wyssling stirbt nach kurzer, schwerer Krankheit 35-jährig. Die beiden jungen Freunde Jenny und Zbinden sehen die Gründungsidee trotz der äusseren Erschwernis nicht in Frage gestellt.

 

Gründung der Freien Schulvereinigung in memoriam Walter Wyssling am 27. und 29. Mai. Äusselich gesehen, sprechen die Umstände gegen eine Realisierbarkeit der Schule, doch trägt das Vertrauen auf Persönlichkeiten, die aus Einsicht in die Zeitnotwendigkeit zu mutigen Taten aufbrechen.
Curt Englert hält 14 Vorträge in Zürich zum Thema: "Von Pestalozzi zu Rudolf Steiner". Nur gerade ein Zuhörer wird daraufhin Mitglied der Schulvereinigung.

1927

Die kantonale Behörde erlässt im April die Bewilligung der Schule.

 

Eröffnung der Rudolf Steiner Schule Zürich am 2. Mai mit 12 Kindern von der 1.-3.Klasse an der Kinkelstrasse 6.
Noch im selben Jahr erlaubt es eine glückliche Fügung, dass die Räume an der Plattenstrasse 39 bezogen werden können. Die Schulvereinigung hat den Hauskauf zum Preis von Fr. 150'000.- abgeschlossen.

1931

In den Anfängen der 30er Jahre ergreift Frl.A.Tobler die Initiative, den 1.Kindergarten aufgrund der Pädagogik Rudolf Steiners in Zürich zu führen. Er befindet sich an der Voltastrasse 29. Die Kindergartenkinder haben jede Woche ihre Eurythmiestunde bei Frl Marianne Ruof. Frl.Tobler vollzieht ihre Arbeit eigenständig, ohne direkten Zusammenschluss mit der Schule, muss jedoch einige Jahre später den Kindergarten aus gesundheitlichen Gründen schliessen, sodass für die "Kindergartenbewegung" im Raum Zürich bis in den Beginn der 40er Jahre ein Unterbruch entsteht.

1932

 

Die Schule veranstaltet am 1. Advent den 1. Weihnachtsverkauf, an dem während eines Tages selbstgefertigte Spielsachen, Kasperlifiguren und Christbaumschmuck angeboten werden. Für den Schulverein entspringt daraus ein Erlös von 830 Franken.

1943

Eine zweite pädagogische Initiative beginnt in Zürich Fuss zu fassen. An der Hofstrasse 48 kann ein Kindergarten eingerichtet werden. Die fröhliche Schar der Kleinen betreut Paula Humm. Wirtschaftlich und organisatorisch ist dieser Kindergarten ein unabhängiger, selbständiger Bereich neben dem Schulbetrieb an der Plattenstrasse.

1946

Die Schülerzahl hat sich auf ca. 250 erhöht und die Räume werden dafür zu eng. Glücklicherweise ergibt sich unerwartet, dass die Besitzer des Nachbarhauses Plattenstrasse 37 auf das Kaufangebot der Schulvereinigung eingehen. Weil gleichzeitig ein testamentarisches Vermächtnis zur Realisierung kommt, sind die Geldmittel für den Kauf vorhanden. So kann der Erwerb trotz der sonst herrschenden Finanzknappheit getätigt werden.

1949

Ein grosser Saal mit Bühne und eine Turnhalle bereichern nun die Möglichkeiten eurythmischer, schauspielerischer und sportlicher Betätigung auf dem Areal. Der Architekt und Schulvater Walter Wehrli hat diese Erweiterung der Schulgebäude realisiert, zu der neben den zwei grossen Räumen auch noch weitere Klassenzimmer gehören, welche die äusseren Bedingungen schaffen, um später die Schule zweizügig werden zu lassen. Dieser "Neubau" schliesst an das bestehende Gebäude Nr. 37 an.

1951

Die Pädagogische Sommertagung findet zum ersten Mal während den Sommerferien in Zürich statt. 100 Teilnehmer aus Schweizer Rudolf Steiner Schulen und Staatsschulen, aber auch Lehrer aus Deutschland, Holland, Schweden, Italien und Amerika finden sich ein. Dazu kommen interessierte Gäste und Schuleltern.

1952

Nach einem Vierteljahrhundert Rudolf Steiner Schule Zürich kommen zu Schuljahresbeginn das erste Mal Kinder in zwei parallel geführte Klassen. Der Keim für eine doppelzügige Schule ist gelegt.

1963

Hinter dem Gebäude Nr. 33 hat im bestehenden Gartenhäuschen ein Kindergarten eingerichtet werden können. Zuoberst im Hause 33 richtet Dr. Zbinden seine Arztpraxis ein, während in den drei unteren Stockwerken Klassenzimmer entstehen. Die Eröffnung des zweiten Kindergartens im Herbst auf demselben Areal gibt dem Schulleben an der Plattenstrasse breiteres Fundament, denn jetzt sind für die Schulkinder auch die ganz "Kleinen" in erlebbare Nähe gerückt, was im Sozialen von grosser Bedeutung ist.

1964

 

Für Kinder, welche über Mittag nicht nach Hause gehen können, weil sie einen zu weiten Schulweg haben, hat es bisher die Möglichkeit gegeben, bei einem Kameraden "Unterschlupf " zu finden, welcher in der Nähe wohnt. Ab jetzt kommt zusätzlich eine Verpflegungsmöglichkeit dazu: In den Schulräumen wird für die zuvor angemeldeten Kinder ein Mittagessen zubereitet. Die Entstehung des Hortes nimmt so am 11. Mai ihren Anfang.

1967

Nach dem 40. Geburtstag der Schule werden die beiden Kindergärten auch wirtschaftlich und organisatorisch in die Schule integriert. Die zwei Kindergärtnerinnen nehmen nun während der vollen Konferenzzeit an der Führungsarbeit der Schule teil und tragen mit gleichen Rechten und Pflichten wie alle Lehrer die Kollegiumsarbeit mit.

1970

Die erstmalige Führung einer 12. Klasse im Frühling lässt die Schule nach 43 Jahren ihres Bestehens mit einer abgerundeten Oberstufe erscheinen. In diesem Sinne ist sie jetzt erst vollständig "geboren".

1975

1. Jahreskurs zur Einführung in die Pädagogik Rudolf Steiners. Lehrer aus dem Kollegium bieten an 35 Samstagnachmittagen diese Weiterbildung an.

1977

 

Der im letzten Jahr begonnene dritte Klassenzug, der sich durch eine Ausgliederung hat realisieren lassen, kann nun am 20. April in den Räumen des "Hürlimann Schlösschens" am Sihlberg unterkommen. Dank der Initiative von Eltern, Schulvereinsmitgliedern und Lehrern ist die Lösung innerhalb der letzen zwei Jahre ermöglicht worden. Man hätte sonst wegen der vielen Anmeldungen ganze zukünftige Klassen abweisen müssen, da der Platz nicht greicht hätte.

1979

Die Schule hat mit 700 Schülern in ihrem 52. Jubiläumsjahr den Höchststand erreicht.

 

Gründung des "Berufsbegleitenden Rudolf Steiner - Lehrerseminars" am 24. Oktober: Die schnell wachsende Schulbewegung sieht sich je länger je mehr vor Probleme gestellt, die in der Pionierzeit nicht auftraten; immer mehr Lehrer werden gebraucht. Das Interesse für diese Pädagogik wächst, jedoch sind zu wenig Ausbildungsmöglichkeiten vorhanden, welche künftigen Lehrkräften Grundlagen vermitteln und Bedingungen für die Mitarbeit in Lehrerkollegien schaffen. Für den ersten Kurs der drei Jahre dauernden Ausbildung treffen 55 Anmeldungen ein. 22 Teilnehmer werden nach den Aufnahmegesprächen zusammengeführt. (18 schlossen nach drei Jahren ab und 11 von ihnen übernahmen direkt anschliessend Aufgaben an Rudolf Steiner Schulen im Kanton Zürich.)

1980

Die Schule "Sihlberg", welche aus dem 3. Klassenzug hervorgegangen und gewachsen ist, bildet einen eigenen, von der "Mutterschule Plattenstrasse" unabhängigen Vorstand und wird nun auch rechnungsmässig eigenständig. Sie wird zwei Jahre später zur Schule "Sihlau" in Adliswil.

1984

 

Gründungsversammlung der Maturitätsschule für Absolventen von Rudolf Steiner Schulen (der sogenannten "MARS") am 1. Oktober. Nach dem Austritt aus der Schule haben nun die 12.Klässler die Möglichkeit, sich in eineinhalb Jahren auf die eidgnössische Maturprüfung vorzubereiten. Sie werden in der "MARS" von Lehrern geschult, welche den Lehrplan der Rudolf Steiner Schule genau kennen und mit dieser Pädagogik vertraut sind. Es kann daher real mit den Bedingungen, welche ein Rudolf Steiner Schüler aus seiner Schulzeit mitbringt, gerechnet und darauf gebaut werden. (Heute wird diese Schule von der Erziehungsdirektion als stipendienberechtigt betrachtet.)

1991

 

Einweihungsfest für die neuen und renovierten Schulräume am 25.-29.September.

1997

 

70-Jahre Rudolf Steiner Schule Zürich

Die Schule organisiert am 18./19. Januar die Gesamtkonferenz der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz unter dem Titel "Das Erleben der Polaritäten als Weg zur Pädagogik"

 

Unesco-Ausstellung im Kunsthaus Zürich
"Waldorfschule–weltweit" 31. Oktober - 3. November
(Führungen – Veranstaltungen – Vorträge)

1998/99

Projekt "Innovationen"
Etwa 50 Eltern, Kollegiums- und Vorstandsmitglieder ergreifen in freier Initiative Projekte, um Neuerungsvorschläge während eines Jahres der Verwirklichung zuzuführen. (Bereiche: Öffentlichkeitsarbeit, Einführung eines neuen Kinderhortes, Schulfinanzen, Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern, Hospitation im Kollegium, Unterstufenbesprechung, Aufbau einer Budgetkommission im Kollegium, Beginn der Arbeit in der Qualitätssicherung, Einrichtung eines Aufenthaltsraumes für die Oberstufenschüler und die Einführung einiger neuer Elemente in der Konferenzarbeit und Schulführung.)

 

Der Erwerb des Hauses Plattenstrasse 77 im Frühjahr geschieht im Hinblick auf eine Verbesserung der engen räumlichen Verhältnisse der Schule.

2001/02

Intensive Arbeit an einem neuen Oberstufen-Profil

2003

Eröffnung der Atelierschule Zürich (10.–12. Kl.) am 18. August.
Die obersten Klassen der Rudolf Steiner Schulen Zürich und der Rudolf Steiner Schule Sihlau werden in der Atelierschule vereinigt. Als Integrative Mittelschule wird ein neuartiges Bildungskonzept ins Leben gerufen, das den jugendlichen Abgängern anerkannte Abschlüsse und Übertritte ermöglichen soll.

2004/05

Umstrukturierung der Stammschule (KG, 1.–9. Kl.)
Die Schule erweitert ihr Angebot mit einer Spielgruppe Spielgruppe für die kleinen Kinder im Vorschulalter.
Für die 1. und 2. Klassen wird durch das sogenannte "bewegte Klassenzimmer" eine methodische Erneuerung umgesetzt. Die Basisstufengruppe erarbeitet ein Projekt für die Erneuerung der Unterstufe aus.
Die sogenannte Klassenlehrerzeit wird von der 1.–6. Klasse festgelegt (Unterstufe 1.–3. Kl. / Mittelstufe 4.–6. Klasse).
Die 7.–9.Klassen werden als Oberstufe von einem Team geführt, bei dem die Klassenbetreuer nicht nur in der eigenen, sondern auch in anderen Klassen Epochenunterrichtsfächer erteilen.

2007/08

Neueröffnung des 3. Kindergarten

2008

80-jähriges Jubiläum

 

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